Auf Initiative der CDU Westend hat der Bezirksverordnete Kai-Uwe Dalichow einen Antrag in das Kommunalparlament einbringen lassen. Dieser Antrag forderte das Bezirksamt auf, dass im neuentstehenden Maximiliansquartier ein Platz oder eine Straße nach Dr. Goldschmidt benannt werden solle. Dem endgültigen Antrag ist das Bezirksamt gefolgt und hat beschlossen, dass die Leonore-Goldschmidt-Straße kommen wird.

Leonore Goldschmidt war eine deutsche Pädagogin. 1933 wurde das Gesetz zur Wiederherstellung des Rechts zum Berufsbeamtentum erlassen, das erlaubte, politisch missliebige Beamte, vor allem aber Juden, einfach aus dem Staatsdienst zu entfernen.

Leonore Goldschmidt erhielt die schriftliche Mitteilung ihrer Versetzung in den Ruhestand. Mit ihrem Mann fand sie eine Lücke im nationalsozialistischen Schulsystem: Jeder jüdische Lehrer durfte 5 „nichtarische“ Kinder unterrichten. Sie schloss sich mit anderen jüdischen Lehrerkollegen zusammen und konnte – nach mehreren Absagen des Amtes – eine private Schule eröffnen. Es entstand 1935 ihre eigene Schule in Grunewald. Von den jüdischen Schülern wurde diese Schule auch „Oase“ genannt, da die Kinder hier nicht den üblichen Ausgrenzungen und Repressionen ausgesetzt waren.

Als sich die politische Lage verschlimmerte, begann sie die Kinder auf ein Leben im Exil vorzubereiten. Sie organisierte mit Hilfe der britischen Botschaft einen britischen Lehrer – Philip Woolley – für einen englischen Sprachunterricht. Der Englischunterricht begann 1936. Unterstützung für dieses Projekt erhielt sie durch ihren ehemaligen Professor Walter Hübner, der inzwischen für das Reichserziehungsministerium arbeitete. Die Private Jüdische Schule Dr. Leonore Goldschmidt erhielt 1936 die offizielle Abiturlizenz und konnte 1937 den Status eines Examination Centre of the University of Cambridge erlangen. Der bilinguale Schulabschluss ermöglichte den Schülern den Zugang zu den englischsprachigen Universitäten in Europa und Nordamerika und erleichterte ihnen damit die Emigration.1937 zählte die Schule 520 Schüler und 40 Lehrer.

Ein Land zu finden, das Juden aufnahm, war schwierig. Zusammen mit ihrem Ehemann versuchte Leonore Goldschmidt, eine Filiale der Goldschmidt-Schule in England zu eröffnen. Sie bat die britische Regierung, die Evakuierung der Kinder nach England zu finanzieren, die aber zu diesem Zeitpunkt keine akute Gefahr für das Leben der Kinder sehen wollte. Nach den Novemberpogromen durften die Kinder ohne Begleitung von Angehörigen mit dem Kindertransport ab Bremerhaven in England einreisen. Sie selbst verließ Deutschland im Juni 1939 und kehrte nie zurück. Bis zum Mai 1940 führte sie in Folkestone ihre Schule weiter.

Die Bekanntmachung zur Bennung der Straße erfolgte inzwischen auch schon im Amtsblatt.

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