Geschichte Westends

Die Geschichte Westends

Allgemeines:

Westend ist ein Ortsteil des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf und liegt im westlichen Teil von Charlottenburg. Das Zentrum und Herz von Westend ist die Reichsstraße zwischen Theodor-Heuss-Platz und Steubenplatz, die mit ihren vielen mittelständischen Geschäften Anziehungspunkt für Westender und andere Charlottenburger ist.

Am 30.09.2004 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf die Neuordnung der Ortsteile. Seit diesem Beschluss gehören bekannte Siedlungsanlagen zum neugebildeten Ortsteil Westend, hierzu zählen Pichelsberg, Ruhleben, die Siedlung Eichkamp und die Siedlung Heerstraße.
 Geschichte

Westend war ursprünglich als reine Villenkolonie geplant und wurde nach dem Vorbild des berühmten und vornehmen Londoner Stadtteils benannt.

Die Gegend des heutigen Westends war vor 1800 nur mit einigen Gehöften und Mühlen bebaut und überwiegend bewaldet. Erst Napoleon ließ um 1806 im Bereich der heutigen Königin-Elisabeth-Straße lagerartige Holzhäuser für seine Truppen bauen. Gesichert wurden diese Unterkünfte durch Artelleriestellungen im Bereich der heutigen Epiphanienkirche. Nach dem Rückzug der französischen Truppen im Jahr 1808 fiel Westend in den ursprünglichen Zustand zurück.

1822 wurde eine Chaussee von Charlottenburg nach Spandau gebaut, die in etwa dem Verlauf des Spandauer Damms entspricht. Berühmt war Westend in der damaligen Zeit für das bekannte und beliebte Ausflugslokal an dem Winkel Spandauer Damm und Reichsstraße, welches im Volksmund Spandauer Bock genannt wurde, da dort Spandauer Bockbier gebraut wurde.

Die infrastrukturelle Aufwertung des Gebiets ermöglichte die Gründung der Kommanditgesellschaft Westend am 1. Mai 1866, die sich zum Ziel setzte, eine Villenkolonie entstehen zu lassen. 30834 m² sollten zu 358 sehr unterschiedlichen Grundstücken parzelliert und anschließend bebaut werden.

König Wilhelm I. von Preußen sagt 1868 über Westend:

„Westend hat eine große Zukunft; ja, hier oben weht eine reine, frische Luft. Ich möchte wohl die Ausführung dieses schönen Projectes noch erleben.“

Zur Wasserversorgung wurde 1871/1872 das Wasserwerk am Teufelssee errichtet. Die Kommanditgesellschaft geriet durch die allgemeine wirtschaftliche Lage und Streitigkeiten mit Charlottenburg in eine finanzielle Krise, die sich derart verschärfte, dass die Gesellschaft 1873 in Konkurs ging. Die Villenkolonie war zu derzeit schwach besiedelt und viele Villen standen leer.

Einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte die Kolonie 1876 durch die Ansiedelung eines Pferdemarktes auf dem Gelände der heutigen DRK Kliniken Westends.

Zunächst war Westend ein Vorort von Charlottenburg, jedoch wurde Westend im Jahre 1878 nach Charlottenburg eingemeindet. Westend bekam durch eine kleine Pferdeeisenbahn (die am Beginn der Kastanienallee endete) einen Verkehrsanschluss zum heutigen Sophie-Charlotte-Platz, von wo eine weitere Pferdeeisenbahn zum Brandenburger Tor (welches ein Stadttor nach Berlin war) fuhr. Durch den enormen Bevölkerungszuwachs der Städte Berlin und Charlottenburg wurde auch Westend wieder stärker besiedelt. Zudem wurde die Infrastruktur weiter verbessert, da 1877 mit der Vollendung der Ringbahn der Bahnhof Westend eröffnet wurde und eine direkte Verbindung nach Berlin entstand. Die wiedereinsetzende Bautätigkeit führte dazu, dass um die Jahrhundertwende, unter Aufgabe des früheren Parzellierungsplans der Kommanditgesellschaft Westend, das Gelände Westends vollständig bebaut war. In der heutigen Soorstraße entstand die Königin-Elisabeth-Kaserne und 1904 das Krankenhaus Westend (heute: DRK Kliniken Westend).

1908 wurde der U-Bahnhof Reichskanzlerplatz (heute: U-Bahnhof Theodor-Heuss-Platz) eröffnet und ermöglichte somit den Anschluss Westends an das Berliner U-Bahnnetz. Durch diese neue Anbindung wurde die Voraussetzung für weitere Siedlungsgebiete geschaffen, so dass westlich der Reichsstraße das Gebiet Neu-Westends entstand.

Zur Eröffnung des Deutschen Stadions im Jahr 1913 (Vorgänger des heutigen Olympiastadions) wurde die U-Bahn bis zum heutigen Bahnhof Olympiastadion verlängert.

 
Kurzüberblick über die Entstehung der Siedlungsanlagen:

Pichelsberg:

Auf dem Pichelsberg entstand in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein Forsthaus, das auch als Ausflugslokal diente. Graf Kameke ließ neben dem Forsthaus einen von einem Säulengang umgebenen Pavillon bauen, der schnell zu einem beliebten Ausflugsziel wurde, das im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde. 1874 wurde die Chaussee von Charlottenburg nach Pichelsberg, die heutige Heerstraße, fertiggestellt. Von 1958 bis 1970 wurden von den Architekten Sobotka und Müller drei Wohnblöcke mit 12 bis 16 Stockwerken gebaut (Angerburger Allee).

 
Ruhleben:

1920 wurde Ruhleben nach Groß-Berlin eingemeindet. In den 1920er Jahren entstand die Siedlung Ruhleben. Nach Plänen der Architekten Max Taut und Frank Hoffmann entstanden hauptsächlich ein- und zweigeschossige Gebäude. 1929 wurde durch die Verlängerung der U-Bahn nach Ruhleben die Nahverkehrssituation entscheidend verbessert. Bis heute enden die Züge der U-Bahnlinie 2 in Ruhleben.


Siedlung Eichkamp:

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde 1918 die Siedlungsgesellschaft Märkische Heimstätte gegründet. Wegen einer großen Wohnungsnot betraute die Preußische Landesregierung die Siedlungsgesellschaft mit der Durchführung von Siedlungsprojekten. Die Siedlungsgesellschaft beauftragte wie in Ruhleben den Architekten Taut mit der Planung der Siedlung.

 
Siedlung Heerstraße:

1914 wurde aus einem Teil des Gutsbezirks Grunewald-Forst der Gutsbezirk Heerstraße gebildet. Im Jahre 1920 begann die Errichtung der Gartenstadtsiedlung „An der Heerstraße“ nach einem Bebauungsplan von Bruno Möhring. Wie die Siedlungen Eichkamp und Ruhleben wurde auch die Siedlung Heerstraße mit ein- und zweigeschossigen Häusern nach Plänen von Taut und Hoffmann bebaut.
 
Kultur und Sehnswürdigkeiten

  • Georg Kolbe Museum (Sensburger Allee 25)
  • Berliner U-Bahn Museum
  • Olympiastadion
  • Waldbühne
  • Wassertum Charlottenburg (Akazienallee 33-39)
  • Park am Brixplatz
  • Corbusier-Haus
  • Glockenturm
  • Funkturm
  • Teufelsberg
 
Berühmte Bewohner des Ortsteils Westends

Die Aufzählung der berühmten Bewohner Westends erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
 
  • Hindemith, Paul ( 1895-1963), Komponist, Sachsenplatz 1 (heute Brixplatz 2)
  • Koch, Robert ( 1843-1910), Mediziner, Ahornallee 39
  • Kolbe, Georg ( 1877-1947), Bildhauer, Sensburger Allee 25
  • Nolde, Emil (1867-1956), Maler, Bayernallee 11
  • Palmer, Lilli (1914-1986), Schauspielerin, Hölderlinstraße 11
  • Ringelnatz, Joachim (1883-1934), Schriftsteller, Sachsenplatz 12 (heute Brixplatz 11)
  • Schmeling, Max (1905-2005), Boxer, Brixplatz 9
  • Schulze-Boysen, Harro (1909-1942) und Libertas (1913-1942), (Widerstandskämpfer), Altenburger Allee 19
  • Strauss, Richard (1864-1949) Komponist, Theodor-Heuss-Platz 2
  • Walser, Robert (1878-1956) Schriftsteller, Spandauer Berg 1
 

 Quellen: Lexikon Wikepedia

 „Westend“ von Helmut Börsch-Supan, Nicolai Verlag

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